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Interview: 25.06.2010 - Projektplanung - Architekten aus www.stadionwelt.de
In der letzten Saison haben sich die Finanzprobleme vieler Regionalligisten verschärft. Sieben Teams haben Insolvenzanträge gestellt, keine Lizenz erhalten oder sich zurückgezogen. Darüber sprach Stadionwelt mit Uwe Hess vom Architekturbüro Conceptplan4.
Stadionwelt: Auf Grund der bekannten Problematiken denkt der DFB ja erneut über eine Regionalliga-Reform nach. Wie sollte Ihrer Meinung nach diese Reform ausfallen? Wäre es sinnvoll, wenn die Auflagen, speziell bezüglich der Stadien, nicht mehr so ehrgeizig formuliert würden? Hess: Wenn man die Zuschauerzahlen in den Regionalligen über den Zeitraum der letzten drei Jahre betrachtet, muss einfach die geforderte Mindestkapazität herabgesetzt werden. Die Einnahmen aus den TV-Geldern, die in der Regionalliga bei 85.000 Euro pro Verein liegen, sollte man zwingend erhöhen. Generell sollte die geplante Reform an die Realität angepasst werden. Beim Flutlicht und vor allem im Bereich der Sicherheit sollten keine Abstriche gemacht werden, aus einer Reduzierung der Mindestkapazität ergeben sich ja automatisch enorme Einsparungspotentiale in den meisten Gewerken. Die Vereine sollten auch Mietpotentiale nutzen wie Beschallung und Anzeigetafel, speziell die ganz kleinen Vereine erstmal nur für eine Saison planen und den sofortigen Abstieg als das Wahrscheinliche betrachten. Bei Vereinen, die den Sprung in die Regionalliga schaffen, aber weiterhin mit Spielern arbeiten, die 400 Euro im Monat erhalten und nur viermal die Woche trainieren, muss der sofortige Abstieg von vornherein mit einkalkuliert werden. Es ist auch absolut möglich, eine Bezirkssportanlage für vergleichsweise wenig Geld auf Regionalliga-Niveau zu bringen, wie wir es vor der Saison 2009/2010 beim FC Bayern Alzenau geschafft haben, wo die Umbauarbeiten nur knapp 400.000 Euro gekostet haben. Generell ist aber zu sagen, dass der DFB beziehungsweise die Verantwortlichen für die Regionalligen zu Unrecht als Sündenböcke hingestellt werden. Man hat etwas auf den Weg gebracht, um die Vereine zu konsolidieren und den Übergang zum Profifußball zu erleichtern. Meist sind die Clubs selber Schuld, wenn sie in finanzielle Probleme geraten. Es werden zu viele Fehlinvestitionen getätigt: in teure Spieler oder aber auch in Manager oder Geschäftsführer, die zum Teil selber Profis waren und nun ohne eine entsprechende abgeschlossene Ausbildung im operativen Geschäft tätig sind. In vielen Fällen haben diese Verantwortlichen auch nicht das Wohl des Vereins im Kopf und kassieren nur ab, ziehen weiter zum nächsten Verein und hinterlassen verbrannte Erde.

Regionalliga geht auch günstig... Bild: Conceptplan4
Stadionwelt: Wie könnten die Vereine stattdessen vorgehen, um Gelder einzusparen oder neue Einnahmequellen zu erschließen? Hess: Zum einen sollte vor der Planung von großen Projekten wie einem Stadionausbau eine Beratung erfolgen. Viele Vereine unterhalb der dritten Spielklasse haben noch ehrenamtliche Mitarbeiter, denen aber bei solchen Dingen oft das erforderliche Know-how fehlt. Da wird dann auch schnell mal der Architekt gefragt, der zufällig vor Ort ist, sich aber vorher auch nie mit Stadien und Sportstätten beschäftigt hat. Durch fachliche Beratung können aber spätere Fehler vermieden werden, zudem sollte man sich an bewährten Projekten der gleichen Größenordnung orientieren. Hier können wir auf ein Pool bewährter Partner zurückgreifen, nur so war es möglich zum Beispiel in Heidenheim, Worms oder Alzenau in der kurzen Sommerpause die Regionalligatauglichkeit zu erlangen. Wichtig ist meiner Meinung nach auch, dass im Vorfeld des Stadionneu- oder -umbaus ein Betreiberkonzept entwickelt wird, das Möglichkeiten zur Drittnutzung enthält, da kaum ein Stadion in Deutschland wirtschaftlich profitabel betrieben wird. Für den Stadionausbau bietet Conceptplan4 mit dem Modularis-Stadioncheck eine maßgeschneiderte Plattform an, mit der wir mit einem sehr geringen Budget einen Verein behutsam nach oben begleiten können und ein preiswertes Stadion zu Mindestanforderungen auf die Beine stellen können. Schickimicki ist in den Regionalligen eben einfach noch nicht drin. Wir sehen uns dabei als eine Art Asterix und Obelix im Stadionbau – wir arbeiten für die Gallier, also die kleinen Vereine oder Traditionsclubs, die nicht mehr Geld ausgeben können als sie haben oder einnehmen. Es müssen nicht immer die teuersten Sitzschalen oder Luxus VIP Lounges sein. Aus Fernost kommt hier mittlerweile auch gutes und immer noch preisgünstiges Material. Die Clubs können zudem noch Geld sparen, wenn sie direkt bei den Unternehmen und nicht über Zwischenhändler kaufen. Je nach Einzelfall können 20 bis 60 Prozent der Kosten eingespart werden. Das Mietpotential muss ausgeschöpft werden. Das Gezerre um die Regionalliga betrifft uns, die wir selber als aktive Spieler in Verbands- oder Oberligen in Baden-Württemberg gespielt haben, auch emotional, denn wir wollen, dass die Traditionsvereine oder auch kleine Vereine und Newcomer nach oben kommen können. Wenn ein Club den sportlichen Aufstieg geschafft hat, sollte er ihn auch tatsächlich wahrnehmen können. In der Metropolregion Rhein-Neckar und in Nord- und Südbaden sind wir damit sehr erfolgreich, dort haben wir schon viele Projekte durchgeführt, auf die wir auch stolz sein können, denn auch mit weniger Geld kann man oft Tolles leisten. Unser Motto lautet: Top auch ohne Hopp! Speziell um Walldorf und Sinsheim herum haben wir einen regelrechten Boom in den letzten Jahren. Ich habe eine kleine Landkarte mit den Projekten erstellt. Fazit: Konkurrenz belebt das Geschäft.

Conceplan4 Projekte in unmittelbarer Nähe von Sinsheim und Walldorf
Derzeit bereiten wir schon wieder Vereine aus den Oberligen wie den VfL Kirchheim / Teck, den SVN Zweibrücken oder den SC Hauenstein auf die Regionalliga vor. Schade, dass Kirchheim und Zweibrücken dieses Jahr auf der Zielgeraden gestolpert sind, aber die Pläne für den Aufstieg sind schon in der Schublade.
Stadionwelt: Welche Möglichkeiten haben die Vereine weiterhin zur Erschließung von neuen Einnahmemöglichkeiten? Hess: Da die Vereine in den Regionalligen von den Zuschauereinnahmen nicht leben können, muss man sich eben nach anderen Möglichkeiten umsehen. Die Anzeigetafeln werden beispielsweise nur ein Mal in 14 Tagen für den Fußball genutzt – an 13 Tagen liegen diese also praktisch brach. Warum also schafft man sich nicht einfach eine mobile Anzeigetafel an und vermietet diese weiter, wenn sie nicht selber gebraucht wird? Im Moselstadion von Eintracht Trier kann man die Anzeigetafel beispielsweise drehen und an Nichtspieltagen dort Werbung schalten. Noch ist eine Anzeigetafel in den Stadien der Regionalligen vom DFB nicht vorgeschrieben, aber damit lässt sich richtig Geld verdienen, besonders bei Stadien die an frequentierten Durchgangsstraßen liegen. Ähnlich verhält es sich mit den Banden: durch den Kauf von Multizweckbanden schafft sich ein Verein auch in diesem Bereich Möglichkeiten der Fremdnutzung und Weitervermietung, erstmal ein paar Meter bestellen, dann nach und nach erweitern. Darüber hinaus ist es auch ein Muss, die Verweildauer der Zuschauer im Stadion zu verlängern, wie dies in Europa erstmals mit dem Bau der Amsterdam ArenA 1996 beabsichtigt wurde. Warum schafft man am Stadion nicht Räumlichkeiten, die für Corporate Events, Fan Treffen und andere Feierlichkeiten genutzt werden? Natürlich muss ein Fan Shop rein, aber auch Betreiber von Fitness Centern oder Physiotherapie Centern sind doch immer gesprächsbereit. Man sollte „around Football“ denken. Und auch der Klimawandel sollte beachtet werden: in der Bayernliga kamen beispielsweise in dieser Saison alarmierend weniger Zuschauer zu den Spielen als in der Saison zuvor, was vor allem am langen Winter lang. Und zu ungewöhnlich langen Perioden mit Schnee, Eis und Kälte wird es die kommenden Jahre öfter kommen. Daher sollten die Vereine für eine preiswerte Überdachung sorgen, denn wer steht schon gerne bei kalten Temperaturen im Stadion und friert? Der DFB hat auch mit zahlreichen Ausnahmegenehmigungen einigen Vereinen extrem flexibel geholfen, das wird überhaupt nicht mehr in der Öffentlichkeit erwähnt. Und wenn für den Stadionausbau nicht genug liquide Mittel vorhanden sind, ist der Weg, den Union Berlin gegangen ist, ein gutes Vorbild, wie die Fans dazu motiviert werden können, den Umbau in Eigenleistung durchzuführen. Oder aber der Verein verhandelt mit Sponsoren oder der Stadt um finanzielle Unterstützung, dafür sind aber wiederum Fachleute mit entsprechender Ausbildung notwendig. Ich habe in dieser Woche ein Interview mit Klaus Schlappner wegen dem erneuten Abstieg des SV Waldhof gelesen und ich kann ihm nur beipflichten: die Wirtschaft muss sich einfach auch zum Verein bekennen. Das gilt auch für die Fans. Auf nach Sandhausen, zu Union Berlin oder nach St. Pauli. Auch Hoffenheim kann nur eine Elf aufstellen und das Stadion ist bereits immer ausverkauft. Da ist noch soviel Raum für andere Vereine. Fußball hat Kultstatus, Desmond Morris hat das einmal wunderbar beschrieben. Wer Zeit hat über Dietmar Hopp zu stänkern, sollte lieber bei einem Verein seiner Wahl mithelfen. Hoffenheim sehe ich als Add On für uns alle.

International ist Conceptplan4 unter anderem im Irak aktiv Bild: Conceptplan4
Stadionwelt: Ist Conceptplan4 mit diesem Konzept auch außerhalb von Baden-Württemberg tätig? Hess: Natürlich in einigen anderen Bundesländern, international sind wir derzeit im Irak, Nigeria, Saudi-Arabien, Oman und Indonesien aktiv. Speziell im arabischen Raum haben die dortigen Herrscher weiter große Pläne, sich auf die Nach-Öl-Zeit vorzubereiten. Ein riesiger Wettbewerb zwischen den Golfstaaten ist entbrannt. Aber auch in Afrika, wo nachhaltige Konzepte entwickelt werden, die der ganzen Gesellschaft zugute kommen sollen gibt es noch enormes Potential. Wir haben gerade Nigerianer aus Imo State getroffen, die wollen sich unabhängig vom Öl machen. Die Devise: Green and Clean. Tourismus, Palmölplantagen in der Agrarwirtschaft und volle Power für den Sport, das hat jetzt höchste Priorität. Schon jetzt stand der Club aus Owerri, der Heartland FC, im afrikanischen Champions League Finale. Das bringt auch dort mittlerweile Millionen Dollar ein. Anders, als dies in den Medien meist dargestellt wird, schmeißen künftig auch die Scheichs nicht einfach mit dem Geld um sich, gerade ist in Abu Dhabi mit dem Bawabat Al Sharq Projekt endlich ein kleines Stadion mit einer Kapazität von nur noch 20.000 Zuschauern vorgestellt worden. Es gilt aber auch an Lösungen in Hinsicht des Klimawandels zu denken. Oman hatte schon zwei gewaltige Zyklone innerhalb drei Jahren. Sonntagnachmittag erhielt ich wieder einen Anruf, dass ein von mir betreutes Resort regelrecht weggeflutet wurde. Die Omanis müssen auch ihr gigantisches Projekt Blue City jetzt unter ganz anderen Gesichtspunkten überdenken. Ich habe selbst schon eine große Regenflut in Dubai und Muscat erlebt, eine Sintflut war das jeweils. Zusammenfassend: In Arabien sucht man nach primär Lösungen, um vor der Sonne geschützt zu sein. In Afrika sucht man nach Lösungen, um auch während der Regenzeit trainieren zu können. Kunstrasen ist überall auf dem Vormarsch. Eine Sportstätte 24 Stunden nutzen zu können ist so eine Vision vieler Kunden. Auch das Solarthema ist natürlich in der Zukunft immer ein Thema, denn Energie wird unbezahlbar, wenn wir hier nicht endlich massiv investieren. Bei allem Kommerz ist mir eines wichtig: Wir sollten der nächsten Generation keine Schuldenberge hinterlassen, sondern manchmal besser daran denken: alt aber bezahlt, weniger ist mehr, klein aber fein. Auch ein Umbau, eine Aufrüstung oder Ergänzung kann sehr reizvoll sein.Den Vereinen der Regionalliga kann ich nur mitteilen: es ist eine Schande wenn heute Traditionsvereine und Ex Bundesligisten gegen die Milchbubis aus den zweiten Mannschaften der Bundesligisten verlieren. Am liebsten würde ich selber wieder in die Sporthose schlüpfen und die Fussballbabies, die meist sogar noch aus der A-Jugend kommen Richtung Oberliga abschießen. Über abgehalfterte Profis wird der Weg jedenfalls nicht nach oben führen. Vielleicht haben die Vereine in den zurückliegenden drei Jahren wenigstens diese Lektion verstanden. Heidenheim hat mit No Names fast den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. Das ist Kontinuität, die haben einen Plan und wenn Sie nicht abheben werden die den Durchmarsch von der Oberliga bis in die 2. Liga bewältigen.(Stadionwelt, 25.06.2010)

Überdachte Spielfelder mit Solarzellen - eine Zukunftsvision Bild: Graeff Container & Hallenbau GmbH
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